Stell dir vor: Montagmorgen, 8:47 Uhr. Du öffnest deine Mails und da liegt er – ein 12-seitiger Projektbericht von deinem Kollegen. Perfekte Grammatik, beeindruckende Fachbegriffe, sauberes Layout. Und null Substanz. Du weisst sofort: Das hat eine KI ausgespuckt, und niemand hat sich die Mühe gemacht, es zu Ende zu denken. Jetzt sitzt du zwei Stunden dran, um das Brauchbare rauszufiltern.

Dafür gibt es inzwischen ein Wort: Workslop.

Das Wichtigste in Kürze

Was du mitnimmst

  • Workslop ist KI-generierter Inhalt, der professionell aussieht, aber keine Substanz hat – und die Betroffenen 186 USD pro Kopf und Monat kostet.
  • Die Hürde für Mittelmässigkeit liegt bei null, weil ein Prompt in 30 Sekunden drei Seiten liefert, die nichts sagen.
  • Workslop entsteht bei der Person, die den Prompt abschickt, ohne den Text zu Ende zu denken.

Was Workslop ist – und warum es dich betrifft

Den Begriff haben Forschende der Stanford University und BetterUp Labs geprägt. Er beschreibt KI-generierte Arbeitsinhalte, die professionell aussehen, aber die Substanz vermissen lassen, um eine Aufgabe voranzubringen. Hübsch verpackter Leerlauf, sozusagen.

Ich begegne dem in meiner Arbeit ständig. Unternehmen kommen zu mir und sagen: «Wir nutzen KI jetzt überall.» Wenn ich dann frage, was sich konkret verbessert hat, wird es still. Das deckt sich mit den Zahlen: Laut einer MIT-Media-Lab-Studie sehen 95 Prozent der Organisationen keinen messbaren Return on Investment aus ihren KI-Initiativen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Unternehmen mit vollständig KI-gestützten Prozessen im letzten Jahr fast verdoppelt.

Mehr KI, weniger Ergebnis: Das ist Workslop.

Die Rechnung, die keiner sehen will

Die Stanford/BetterUp-Studie hat 1'150 Büroangestellte in den USA befragt, und das kam dabei heraus:

40%
haben im letzten Monat Workslop erhalten
~2h
pro Vorfall für Schadensbehebung
186 USD
unsichtbare Steuer je betroffene Person und Monat

Bei 10'000 Mitarbeitenden, von denen 40 Prozent Workslop bekommen, sind das rund 9 Mio. USD Produktivitätsverlust im Jahr. Aber der eigentliche Schaden ist nicht finanziell.

53 Prozent der Betroffenen sind genervt, wenn sie Workslop erhalten. 22 Prozent fühlen sich beleidigt. Und rund die Hälfte sagt, sie halten ihre Kolleginnen und Kollegen danach für weniger kreativ, weniger kompetent und weniger vertrauenswürdig. Teurer als die zwei Stunden ist das Ansehen: Wer Workslop verschickt, verliert es bei den Kolleginnen und Kollegen.

Das Problem sitzt am Schreibtisch

Ich sage das ungern, weil ich mit KI arbeite und viel von ihr halte. Workslop beginnt bei der Person am Schreibtisch, und genau dort lässt es sich auch abstellen.

Früher kostete auch schludrige Arbeit noch Zeit, weil man sie selbst schreiben musste. Heute genügt ein Prompt, und nach 30 Sekunden hast du drei Seiten, die beeindruckend klingen und nichts sagen. Dabei wandert die Last zu denen, die den Text bekommen: Wer Workslop produziert, spart Zeit, wer es liest, verliert sie.

Dass sich das gut anfühlt und trotzdem nicht stimmt, hat eine METR-Studie gemessen: Erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler aus Open-Source-Projekten arbeiteten mit KI-Werkzeugen 19 Prozent langsamer als ohne, schätzten hinterher aber, sie seien 20 Prozent schneller gewesen. Fast 40 Prozentpunkte liegen zwischen Gefühl und Messung.


Was ich daraus für meine Arbeit gelernt habe

In meiner Agentur nutze ich KI täglich. Für Recherche, für Entwürfe, für Ideenfindung. Aber ich habe ein paar Prinzipien, die ich auch meinen Kundinnen und Kunden empfehle:

Wo ich KI empfehle und wo nicht

KI wird nicht verschwinden, und ich will das auch nicht. Sie schreibt mir in Minuten einen ersten Entwurf und fasst ein zweistündiges Gespräch zusammen, solange jemand dahintersteht, der weiss, was der Text bewirken soll. Als Allheilmittel taugt sie nicht.

Nicht jedes Unternehmen braucht KI überall, und nicht jedes KI-Projekt bringt einen Ertrag. Das sage ich auch dann, wenn es mich einen Auftrag kostet.

Am Ende ist die wertvollste Ressource im Büro nicht die KI. Es ist das Vertrauen zwischen Menschen, die gemeinsam etwas Sinnvolles schaffen wollen. Und dieses Vertrauen schützt man nicht mit polierten Prompts, sondern mit echter Arbeit.