Wie positioniert sich eine neue Praxis in einem Markt, der als übersättigt gilt?
Der Schweizer Coaching-Markt zählt über 1'400 registrierte Coaches allein beim BSO, mit der höchsten Dichte in Zürich und Basel. Wer hier einsteigt, braucht mehr als eine hübsche Website. Die Kundin brachte jahrzehntelange Erfahrung als Anwältin, Richterin und Mediatorin mit, dazu eine zertifizierte Coach-Ausbildung. Aber genau diese Stärke war auch die kommunikative Herausforderung: Vier Kompetenzfelder in einer Person wirken schnell beliebig oder überladen.
Die Praxis sollte sich ausserdem klar von klassischem Life-Coaching und von Krisenintervention abgrenzen. Der Fokus lag auf Konfliktprävention, also darauf, Konflikte zu verhindern, bevor sie eskalieren. Das ist inhaltlich stark und erklärungsbedürftig zugleich, weil die Zielgruppen selten aktiv nach «Prävention» suchen: KMU in Nachfolgeregelungen, Menschen in Veränderungsprozessen, Führungskräfte in Rollenklärungen. Sie suchen nach Lösungen, wenn es schon brennt. Meine Aufgabe war es also, Nachfrage für etwas zu wecken, von dem die Zielgruppe noch nicht weiss, dass sie es braucht.
Die Kundin ist meine Mutter. Das klingt nach Befangenheit, war aber ein strategischer Vorteil: Ihre Stärken und ihre Haltung musste ich nicht im Briefing erfragen; ich kenne sie seit Jahrzehnten. Gleichzeitig war mir wichtig, das Projekt mit derselben Systematik anzugehen wie jedes andere Mandat. Es war die perfekte Gelegenheit, meinen Konzeptionsprozess unter realen Bedingungen zu testen – und jemandem zu helfen, der mir am Herzen liegt.
Wie bin ich vorgegangen?
Ich habe das Projekt nach einem klassischen Kommunikationskonzept-Prozess strukturiert, in zehn Schritten von der Auftragsklärung bis zur Erfolgskontrolle; erzählt sind sie hier als vier Etappen. KI-Werkzeuge habe ich durchgehend eingesetzt: für Marktrecherche, Wettbewerbsanalyse, Textarbeit und Strukturierung.
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1Briefing und Situationsanalyse
Zuerst habe ich den Schweizer Coaching-Markt 2026 durchgearbeitet: Angebote, Preise und die Frage, wer Konfliktprävention überhaupt im Profil führt. Die Kombination aus juristischem Hintergrund und Präventionsfokus war im Markt praktisch unbesetzt. Die KI-gestützte Recherche hat mir hier Stunden gespart – Marktdaten, Preisvergleiche, Wettbewerberprofile liessen sich systematisch aufbereiten, statt sie manuell aus Dutzenden Quellen zusammenzutragen.
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2Positionierung und Botschaften
Aus der Analyse habe ich eine klare Positionierung abgeleitet: «Präventions-Coach mit juristischem Fundament» – nicht Feuerwehr, sondern Brandschutz. Ich habe für jede Dialoggruppe eigene Botschaften entwickelt: KMU in Nachfolgeregelungen, Privatpersonen in Veränderungsprozessen, Führungskräfte in Rollenklärungen. Dazu eine Multiplikatoren-Strategie für Anwaltskanzleien, Treuhandbüros und Steuerberatungen als Empfehlungsgeber.
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3Kanalstrategie und Massnahmenplan
Für bezahlte Anzeigen reichte das Budget von CHF 5'000–10'000 nicht, deshalb setzte ich auf organisches Wachstum über Reputation. Ich habe eine Drei-Phasen-Dramaturgie entwickelt, mit LinkedIn als Hauptkanal, um Sichtbarkeit als Fachstimme aufzubauen: Foundation (Monate 1–3), Visibility & Education (Monate 4–8), Empfehlungen & Reputation (Monate 9–12). Für jede Massnahme habe ich Budget und Termin festgelegt und sie einer Phase zugeordnet.
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4Umsetzungshilfen und Erfolgskontrolle
Ein Konzept nützt erst etwas, wenn die Kundin es ohne mich umsetzen kann. Deshalb habe ich praktische Werkzeuge mitgeliefert: eine ausformulierte Kurzvorstellung, zwölf LinkedIn-Post-Ideen, einen Leitfaden für Empfehlungsgespräche mit Multiplikatoren und ein Kurzkonzept für Mini-Vorträge. Dazu quartalsweise KPIs und klare Weiter-/Stopp-Kriterien für eine ehrliche Zwischenbilanz nach sechs Monaten.
Meine Mutter kennt Konflikte von der Bank der Richterin, vom Tisch der Mediatorin und aus jahrzehntelanger Anwaltspraxis. Mein Job war es, diese Tiefe in eine Geschichte zu übersetzen, die auf einer LinkedIn-Timeline in drei Sekunden überzeugt.
Was hat das Projekt gebracht?
Ein Marktergebnis gibt es noch nicht, weil der Launch bei der Kundin liegt; was hier steht, ist das fertige Fundament dafür. Das Ergebnis ist ein vollständiges Kommunikationskonzept in zehn Schritten – von der Marktanalyse über die Positionierung bis zum konkreten Massnahmenplan mit Budgetierung. Die Kundin hat damit einen Fahrplan für zwölf Monate in der Hand, inklusive aller Texte, Vorlagen und Hilfsmittel, die sie für den eigenständigen Launch braucht.
Was dieses Projekt für meine eigene Arbeit gebracht hat: Es war der Praxistest für meinen systematischen Konzeptionsprozess. Zehn Schritte, sauber durchgearbeitet, mit KI-Unterstützung in Recherche und Textarbeit. KI machte den Prozess schneller, einfacher nicht. Die strategischen Entscheide bleiben Denkarbeit, etwa die Frage, wie sich Prävention in einem Markt positionieren lässt, der auf Krisenintervention konditioniert ist. Die Tatsache, dass ich die Kundin so gut kenne, hat mir gezeigt, wie viel Tiefe möglich ist, wenn ich nicht bei null anfangen muss. Das nehme ich mit in jedes Briefing-Gespräch: Je besser ich jemanden verstehe, desto schärfer wird die Strategie.
Was konkret entstanden ist
- Kommunikationskonzept (22 Seiten, 10 Schritte – von Briefing bis Erfolgskontrolle)
- Positionierung und dialoggruppenspezifische Botschaften
- 12-Monats-Massnahmenplan mit Budgetierung und Phasierung
- Starthilfe für die Inhalte: 12 LinkedIn-Post-Ideen, Kurzvorstellung, Empfehlungs-Leitfaden, Vortrags-Kurzkonzept
- Kennzahlen mit quartalsweisen Zielwerten und Weiter-/Stopp-Kriterien