Drei Probleme, ein Werkzeug
Viele KI-Bewerbungswerkzeuge füllen das leere Blatt mit «belastbar, kommunikationsstark und lösungsorientiert», also mit Sätzen, die auf jede Person und damit auf keine passen. Wer in einer Personalabteilung zwanzig solche Schreiben nebeneinanderlegt, liest zwanzigmal denselben Text.
Dazu kommt der Schweizer Zeugniscode, in dem «bemühte sich stets» unterdurchschnittlich heisst und «zu unserer vollsten Zufriedenheit» sehr gut, sodass jemand ohne dieses Wissen sein eigenes Zeugnis falsch einschätzt.
Und wenn du Taggelder beziehst, kommt eine dritte Baustelle dazu, weil du dem RAV monatlich auf einem amtlichen Formular nachweisen musst, dass du dich beworben hast – in der Amtssprache, die dein Kanton dafür verlangt. Ein Werkzeug, das alle drei Aufgaben zusammen löst, habe ich nicht gefunden; Setzling habe ich genau dafür gebaut.
Jede Tatsache im Dossier ist belegt – aus deinen Unterlagen oder von dir selbst
Belegbindung heisst, dass jede Tatsache im Anschreiben aus dem Arbeitszeugnis, dem Lebenslauf, dem Inserat oder deiner eigenen Auskunft stammt. Motivation und Selbsteinschätzung bleiben erlaubt, weil ein Brief ohne sie ein Protokoll wäre. Steht dagegen eine Tatsache ohne Beleg im Entwurf, etwa ein Abschluss oder eine Note, schreibt Setzling den Absatz um, bevor du ihn zu sehen bekommst, und der unbelegte Teil fällt weg. So entsteht kein Text, der schöner klingt als die Wahrheit.
Der Zeugnis-Decode übersetzt die codierten Schweizer Formeln in Klartext, damit deine Leistungen als Belege taugen. Und statt dich einen langen Fragebogen ausfüllen zu lassen, führt Setzling ein kurzes Gespräch, in dem nur gefragt wird, was die Unterlagen nicht schon belegen – per Tippen oder gesprochen, auch auf Schweizerdeutsch.
Von den Unterlagen zum Nachweis
Fünf Stationen führen von deinen Unterlagen bis zum ausgefüllten RAV-Nachweis. Über alle fünf hinweg gilt eine Regel: Dein Original bleibt unangetastet.
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1Hochladen
Lebenslauf, Arbeitszeugnisse, das Stelleninserat und optional ein Bewerbungsfoto lädst du hoch, oder du bringst ein bestehendes Profil mit. Mehr brauchst du zu Beginn nicht, weil Setzling alles Weitere im Gespräch von dir erfragt.
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2Zeugnis-Decode
Sobald dein Zeugnis oben liegt, liest Setzling die codierten Formeln von selbst und übersetzt sie in Klartext – «zu unserer vollsten Zufriedenheit» als das, was es heisst. Was sich so belegen lässt, hält Setzling als Beleg für das spätere Schreiben fest.
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Gilt auf dem ganzen WegDein Original bleibt unangetastet
Zum Einlesen geht eine Kopie deines Dokuments an die KI; danach arbeitet Setzling nur noch mit dem ausgelesenen Text weiter. Deine hochgeladene Datei rühre ich nicht an: Ich verändere sie nicht und ersetze sie nie durch eine KI-Fassung, sie bleibt auf deinem Gerät, damit du dem Betrieb das echte Dokument mitschicken kannst und keine Abschrift davon.
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3Stellen finden
Eine Suche, die du nach Berufsfeld, Pensum und Ort einengen kannst, fragt die amtliche SECO-Stellenbörse job-room.ch direkt ab und legt dir die Treffer als Kartenstapel vor, jede Karte mit einer Ampel, die dir zeigt, wie lange du zur Stelle unterwegs bist. Nach draussen gehen nur deine Suchbegriffe, dein Kanton und für die Ampel ein grober Wohnort; aus deinen Unterlagen bleibt bei dieser Abfrage alles auf dem Gerät.
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4Dossier gestalten
Aus demselben belegten Material entstehen drei Dokumente: Anschreiben, Lebenslauf und das Kandidatenblatt, die einseitige Übersicht über dich, in einer von elf Vorlagen und als sauberes A4. Was du weder mit deinen Unterlagen noch im Gespräch belegen konntest, hat Setzling vorher entfernt.
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5RAV-Nachweis
Setzling füllt das amtliche Formular 716.007 vor, liest deinen Kanton still aus der Wohnadresse und stellt es in der Amtssprache aus, die dein Amt verlangt: Deutsch, Französisch oder Italienisch. Was darüber hinaus für dich gilt, etwa dein Monatsziel oder der Abgabeweg, sagt dir dein RAV; Setzling verlinkt dorthin.
Ein Satz, den du im Vorstellungsgespräch nicht belegen kannst, kostet dort mehr, als er in der Bewerbung gebracht hat.
Auf meinem Server steht kein Name von dir
In einem Bewerbungsdossier stehen deine Adresse, dein Geburtsdatum und das Urteil deiner letzten Vorgesetzten über deine Arbeit. Deshalb ist der Datenschutz bei Setzling nicht angeschraubt, sondern gebaut: Du brauchst kein Konto, weil deine Unterlagen nur auf deinem Gerät liegen. Was du hochlädst, liest die KI einmal ein; von deinen Unterlagen speichere ich nichts, und dein Profil nimmst du als Datei mit, auf Wunsch verschlüsselt. Auf meinem Server steht je bezogene Bewerbung eine Buchungszeile ohne Namen und ohne Inhalt, dazu ein Zufalls-Code und das Guthaben.
Den Schlüssel für die KI-Dienste hält ein zweiter Rechner, den ich selbst betreibe und auf dem nichts von dir liegen bleibt; auf dein Gerät kommt der Schlüssel nie. Die KI-Anbieter schliessen in ihren API-Bedingungen aus, deine Eingaben zum Trainieren ihrer Modelle zu nutzen. Anonym mitlernen kann Setzling nur, wenn du es einschaltest – ab Werk ist es aus. Dann gehen gerundete Kennzahlen an mich, und ich behalte davon nur Summen aus mindestens zwanzig gleichartigen Fällen, damit sich kein einzelner Fall herauslesen lässt. Die Seite selbst kommt ohne Tracker und ohne fremde Skripte aus, die Schriften sind selbst gehostet.
Zuerst im kleinen Kreis
Ich habe Setzling bewusst leise gestartet. Seit Ende Juni 2026 bauen Bekannte und ein paar Testpersonen damit ihre Bewerbungen, und bevor ich die Werkstatt für alle öffne, will ich in meinem Umfeld sehen, ob die Dossiers halten, was die Belegbindung verspricht. Deshalb läuft Setzling als geschlossene Beta: Hinein kommst du mit einem Zugangscode, den ich persönlich vergebe. Der Name ist ein Arbeitstitel: «Setzling», weil deine Bewerbung Wurzeln schlagen soll.
Als Nächstes baue ich einen eigenen Prüfstand für die Dossier-Qualität: Ein zweiter Durchgang, der die Vorarbeit des ersten nicht kennt, liest den Entwurf gegen, bevor du ihn siehst. Danach folgt die Vorbereitung aufs Vorstellungsgespräch.
Was es sonst schon gibt, was es kostet und warum ich trotzdem ein eigenes Werkzeug baue, steht im Standpunkt «Mehr Einladungen, aber nicht schneller eine Stelle».
Auf die Warteliste
Die Plätze in der Beta vergebe ich der Reihe nach. Trag dich ein, dann schreibe ich dir, sobald einer frei wird, und schicke dir deinen Zugangscode.
Was entstanden ist
- Zeugnis-Decode – codierte Formeln als Klartext und als Beleg
- Belegbindung – die Prüfung, die einen Abschluss oder eine Note ohne Beleg aus dem Entwurf nimmt
- Stellensuche auf der amtlichen SECO-Börse job-room
- Dossier-Gestaltung: elf Vorlagen, drei Dokumente aus demselben Material
- RAV-Nachweis 716.007, in der Sprache des zuständigen Amts vorausgefüllt
- Rückfragen zum eigenen Dossier – ein Chat, der nur kennt, was du hochgeladen und im Gespräch gesagt hast