Ein Motivationsschreiben kostet heute nichts mehr. Seit November 2024 schreibt es dir jobs.ch auf Knopfdruck, direkt neben dem Inserat, sofern du angemeldet bist und die Firma die schnelle Bewerbung zulässt. Wer mehr will, zahlt bei den Schweizer Anbietern zwischen einem Franken pro Bewerbung und fünfzig Franken im Monat.

Die Werkzeuge wirken. Die Arbeitsmarktbeobachtung Ostschweiz, Aargau, Zug und Zürich, kurz AMOSA, hat im April eine Studie veröffentlicht, nach der Stellensuchende, die regelmässig mit KI arbeiten, rund 48 Prozent mehr Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten. Dieselbe Studie hält aber fest, dass sich diese Stellensuchenden ein halbes Jahr nach der Befragung nicht schneller beim RAV abgemeldet hatten.

Der zweite Teil dieses Befunds hat mich mehr beschäftigt als die Preise, weil er zeigt, wo die heutigen Werkzeuge aufhören. Dort setze ich mit Setzling an, dem Bewerbungswerkzeug, das ich gerade baue.

Das Wichtigste in Kürze

Worum es hier geht

  • Ein Anschreiben mit KI gibt es in der Schweiz gratis oder, im Paket, für rund einen Franken; Abos kosten fünfzehn bis fünfzig Franken im Monat.
  • Laut AMOSA bringt regelmässige KI-Nutzung deutlich mehr Einladungen, aber keine kürzere Stellensuche; Unternehmen lesen KI-Briefe als standardisiert.
  • Fast alle Werkzeuge verbessern den Brief. Zeugnis, Belege, Beilagen und RAV-Nachweis bleiben Handarbeit oder liegen in getrennten Werkzeugen.
  • Setzling baut die ganze Bewerbung aus deinen Belegen. Ob das trägt, prüfe ich jetzt in einer geschlossenen Beta in meinem Umfeld.

Was es schon gibt und was es kostet

Ich habe mir die Schweizer Anbieter angesehen. Am einfachsten ordnen sie sich danach, wofür du bezahlst.

KI-Bewerbungswerkzeuge in der Schweiz nach Bezahlmodell
Du bezahlstBeispielePreis
nichtsMotivationsschreiben bei jobs.ch, Zeugnis-Check bei heroscout.chgratis
pro KI-Schrittbewerbung.ch (ein Credit je Schreiben, Lebenslauf oder Interviewübung)CHF 5 für 10 Credits
pro BewerbungCatchYourPonyCHF 5 einzeln, CHF 1 im 50er-Paket
im MonatsaboHeyapply, PilotJob, truastCHF 14.90 bis 49.99 pro Monat
als Paketjobwechsel-ki.ch (Lebenslauf-Analyse, Anschreiben, Interviewfragen)CHF 59 einmalig
Preise von den Seiten der Anbieter, Stand August 2026. Abos werden bei längerer Laufzeit teils günstiger.

Der Preis allein sagt wenig, weil eine Einheit bei jedem Anbieter etwas anderes bedeutet. Bei bewerbung.ch kostet ein Credit fünfzig Rappen, deckt aber nur einen KI-Schritt ab; ein Anschreiben, ein überarbeiteter Lebenslauf und eine Übung fürs Interview sind drei Credits. Heyapply verkauft zwölf Bewerbungen im Monat für CHF 14.90 und zielt damit auf die monatlichen Arbeitsbemühungen, die das RAV verlangt.

PilotJob geht am weitesten. Dort gibt es einen Zeugnis-Decoder, Versand über Gmail, einen RAV-Nachweis, der am Monatsanfang als PDF im Postfach liegt, und im Pro-Abo für CHF 29.99 einen Autopiloten, der bis zu zehn Bewerbungen am Tag selbst verschickt. International sind Jobscan, Teal und Kickresume die bekannten Namen, mit zwanzig bis fünfzig Dollar oder Euro im Monat in derselben Preislage, aber für den amerikanischen Lebenslauf gebaut, in dem Arbeitszeugnisse und Beilagen nicht vorkommen.

Was die AMOSA gemessen hat

Wie verbreitet die Werkzeuge sind, hat die AMOSA gemessen: 65 Prozent der befragten Stellensuchenden haben KI schon im Bewerbungsprozess eingesetzt, mit tertiärem Bildungsabschluss sind es 83 Prozent. Die befragten Unternehmen schätzen, dass 39 Prozent der eingehenden Bewerbungen ganz oder teilweise mit KI entstehen.

Einladungen zu Vorstellungsgesprächen in den letzten vier Wochen, im Schnitt
KI nie genutzt0,86
unregelmässig1,07
regelmässig1,23
Quelle: AMOSA, «KI in Jobsuche und Recruiting», April 2026, Grafik 6. Befragt wurden 5'787 Stellensuchende, die beim RAV gemeldet waren, und 663 Unternehmen aus elf Kantonen der Deutschschweiz; die Unternehmensstichprobe ist laut Studie nicht repräsentativ.

Auf der anderen Seite des Tischs kommt das weniger gut an. 54 Prozent der Unternehmen finden, dass KI-gestützte Bewerbungen weniger persönliches Engagement zeigen. Von denen, die solche Bewerbungen erhalten, sagt rund die Hälfte, die Unterlagen wirkten zunehmend standardisiert und die Eigenleistung sei schwerer einzuschätzen.

Die wenigen Firmen, die ihr Auswahlverfahren schon angepasst haben, es sind sieben Prozent, prüfen Diplome und Arbeitszeugnisse genauer und holen öfter Referenzen ein. Die Studie begründet das damit, dass Motivationsschreiben durch KI an Aussagekraft verlieren, und dass Arbeitgebende deshalb auf Signale ausweichen, die sich schwerer schönschreiben lassen.

Auch für die Lücke zwischen Einladung und Stelle haben die Autorinnen und Autoren eine Vermutung: Die meisten setzen KI ein, um ihre Unterlagen zu verbessern, und viel seltener, um sich auf das Gespräch vorzubereiten. Der Brief öffnet die Tür. Im Gespräch sitzt dann ein Mensch, der wissen will, was hinter den Sätzen steht.

Was fast alle gleich machen

Die Werkzeuge, die ich angesehen habe, unterscheiden sich in Preis und Oberfläche, aber fast alle verbessern dasselbe Stück Papier, das Anschreiben. Eine Schweizer Bewerbung besteht aus mehr: Lebenslauf, Arbeitszeugnisse, Diplome, oft ein Foto, und wer Taggelder bezieht, füllt jeden Monat einen Nachweis fürs RAV aus.

Das Zeugnis bleibt liegen

Das stärkste Material einer Schweizer Bewerbung ist das Arbeitszeugnis, weil darin eine andere Person deine Arbeit beurteilt. Decoder, die seine Formeln übersetzen, gibt es bei heroscout.ch und PilotJob sogar gratis. Was ich nirgends gefunden habe, ist ein Werkzeug, das die Leistungssätze aus dem Zeugnis als Belege ins Anschreiben trägt, also genau das Signal, auf das Arbeitgebende laut AMOSA ausweichen.

Im Brief steht, was gut klingt

Ein Sprachmodell schreibt, was zur Stelle passt, und weiss nicht, was du belegen kannst. Ob der Abschluss im Brief stimmt und ob die Zahl von dir stammt, musst du deshalb selbst prüfen, Satz für Satz.

Der Rest ist Handarbeit oder Autopilot

Beilagen in die geforderte Reihenfolge bringen, Dateien zu einem Dossier bündeln, den RAV-Nachweis ausfüllen: Das machst du entweder selbst, oder du überlässt es einem System, das in deinem Namen verschickt. Mit dem Autopiloten habe ich Mühe. Er erhöht die Zahl der Bewerbungen, doch die Frage, warum gerade diese Stelle, beantwortet er für dich, und im Gespräch stellt sie dir dann jemand persönlich.

Einen Brief zu schreiben, ist mit KI gelöst. Offen ist, ob hinter dem Brief jemand steht, dem man glauben kann.

Die ganze Bewerbung aus deinen Belegen

Mein Anspruch an Setzling ist, dass es die ganze Bewerbung baut und dass jede Tatsache darin einen Beleg hat. Setzling liest zuerst dein Zeugnis und übersetzt die Schweizer Zeugnissprache in Klartext, damit die Leistungssätze als Quellen taugen. In einem kurzen Gespräch fragt es nur nach, was deine Unterlagen nicht schon belegen, getippt oder gesprochen, auch auf Schweizerdeutsch.

Aus demselben Material entstehen Anschreiben, Lebenslauf und ein Kandidatenblatt, das die Anforderungen des Inserats offen gegen deine Belege stellt. Steht im Entwurf eine Tatsache ohne Beleg, etwa ein Abschluss oder eine Note, nimmt Setzling sie heraus, bevor du den Entwurf siehst. Am Ende trägt es die Bewerbung ins amtliche RAV-Formular ein, in der Amtssprache deines Kantons.

Für das Gespräch heisst das: Jeder Satz im Brief ist einer, zu dem du eine Geschichte erzählen kannst, weil er aus deinem Zeugnis oder aus deinem eigenen Mund stammt. Welche Stelle du willst, entscheidest du, und du verschickst selbst. Deine Unterlagen bleiben auf deinem Gerät, ein Konto gibt es keines. Abgerechnet wird pro Stelle: Ein Guthaben deckt alles ab, was für diese eine Bewerbung entsteht, egal wie viele KI-Schritte dahinterstehen, und kostet je nach Paket zwischen 70 Rappen und einem Franken.

Warum ich zuerst in meinem Umfeld teste

Ein Anspruch ist noch kein Beleg, und ein Werkzeug, das Belege verlangt, muss sich selbst daran messen lassen. Deshalb öffne ich Setzling nicht auf einen Schlag. Seit dem Sommer bauen Bekannte ihre Bewerbungen damit, und in den nächsten Wochen weite ich den Test in meinem Umfeld aus, auf Menschen, die gerade eine Stelle suchen, und auf Fachleute, die Stellensuchende begleiten.

Ich will dabei drei Dinge wissen: ob Setzling für jede Tatsache im Brief einen Beleg findet, ohne dass jemand nachbessern muss, ob die Testpersonen den Entwurf so abschicken, wie er ist, und ob die Sätze im Vorstellungsgespräch halten. Die Vorbereitung auf das Gespräch selbst fehlt in Setzling noch. Sie kommt als Nächstes, weil die AMOSA genau dort die Lücke vermutet.

Wenn du selbst eine Stelle suchst oder Menschen dabei begleitest, passt die Beta gut zu dir. Auf die Warteliste kommst du auf der Setzling-Seite. Ich vergebe die Plätze der Reihe nach und schicke dir dann deinen Zugangscode.


Der Brief ist nicht mehr das Problem

Ein Brief mit KI kostet heute kaum noch etwas. Knapp wird, was sich nicht generieren lässt: ein Zeugnis, das jemand anderes geschrieben hat, eine Zahl, die stimmt, eine Antwort im Gespräch, die zum Brief passt. Daran messe ich Setzling, zuerst im kleinen Kreis und dann, wenn es trägt, für alle.